Der Übertragungsnetz-Betreiber Tennet musste in den ersten vier Monaten dieses Jahres viel öfter Noteingriffe zur Stabilisierung des Stromflusses vornehmen als im Vorjahresvergleich. Durch den windreichen Januar seien die Kosten um mindestens 50 Prozent gestiegen. Durch die Abschaltung weiterer Atomkraftwerke sei ein weiterer Anstieg der angespannten Netzsituation zu erwarten. Betrugen die Kosten für die Netzeingriffe im Jahr 2015 etwa 700 Mio. Euro, gingen sie 2016 nur leicht auf 660 Mio. zurück. Nun steigt der Aufwand wieder deutlich. Diese Kosten zahlen die Verbraucher über den Strompreis.
Auch der Netzbetreiber Amprion hat deutlich gestiegene Eingriffskosten gemeldet. Daran könne man sehen, wie wichtig ein schneller Bau der geplanten Nord-Süd-Stromautobahnen ist. Es dürfe kein „Wildwest“ und Gepoker um Abfindungen für Anlieger geben. Die Entschädigungen erfolgen nach einheitlichen Richtlinien, die mit den zuständigen Verbänden ausgehandelt werden – und wie in Deutschland üblich nur einmalig gezahlt werden. Bauernvertreter hatten eine „Trassen-Maut“ gefordert, da sie eine Erwärmung und Austrocknung des Bodens durch Erdkabel befürchten. Man orientiert sich dabei an den Kommunen, die sich die Durchleitung durch ihre Gebiete mit den Konzessionsabgaben bezahlen lassen.

Weser-Kurier 26.06.2017