Schlachtbetriebe gelten als energieintensive Industrie, wenn ihre Stromkosten mindestens vierzehn Prozent der Bruttowertschöpfung ausmachen. Sie zahlen dann nur geminderte oder gar keine EEG-Umlage. Gedacht ist diese Befreiung eigentlich, um stromkostenintensive Unternehmen im internationalen Wettbewerb zu stärken. Das soll verhindern, dass die Betriebe ins Ausland verlagert werden. Zur Bruttowertschöpfung zählen auch die Lohnkosten der Stammbelegschaft in der Produktion, Werkverträge dagegen als Sachleistungen. So ist es im Gesetz geregelt. Allerdings ist damit ein Anreiz geschaffen worden, weniger auf Stammbelegschaften als auf Werkverträge zu setzen. Bei jeder Novellierung hat die Gewerkschaft NGG die Gremien darüber informiert – ohne dass sich bisher daran etwas geändert hätte. Die NGG sieht eine deutliche Benachteiligung von Betrieben, die Festanstellungen bevorzugen – und damit eine Verzerrung des Wettbewerbs. Der Verband der Fleischwirtschaft schließt seit Jahren jeglichen Zusammenhang zwischen Werkverträgen und Ökostromrabatten aus. Durch die Entlastung bei der EEG-Umlage sparten die Schlachtbetriebe im vorigen Jahr 40,1 Mio. Euro, in diesem Jahr sind es 37,3 Mio. Da die Werkverträge über Subunternehmen laufen, ist die genaue Zahl der betroffenen Beschäftigten nicht bekannt. Auch wenn die Zahl der Werkverträge leicht abnimmt, sind der NGG Betriebe bekannt, wo deren Anteil immer noch bei 80 bis 90 Prozent liegt. Man fürchtet, dass sich daran auch künftig nichts ändern wird und der Anreiz für Billiglöhne in den Schlachtbetrieben erhalten bleibt.

 

TAZ 08.08.2017