Mit der Frage, ob der erneuerbare Strom zukünftig eher vor Ort erzeugt und verbraucht werden wird – oder ob gerade der Ausbau von Wind- und Solaranlagen mit ihrer schwankenden Produktion dafür sorgt, dass in Zukunft mehr Strom durchs Land transportiert werden muss, hat sich der Thinktank Agora Energiewende befasst. Die Experten schlagen sich bei ihrer Betrachtung weder auf die Seite derjenigen, die von autarken Regionen träumen, noch glauben sie, dass neue Leitungen alle Probleme lösen werden. Um sicherzustellen, dass Strom jederzeit überall im Land unabhängig vom Ort seiner Erzeugung zur Verfügung steht, wären neue Leitungen in einem Ausmaß notwendig, das „weder volkswirtschaftlich effizient noch der Bevölkerung zuzumuten“ wäre, lautet das Fazit der Publikation. Daraus folgern die Experten, dass eine Förderung von regionalen Märkten unumgänglich ist. Vorgeschlagen  wird außerdem, künftig drei Ebenen für den Verbrauch zu unterscheiden: Strom, der vor Ort ohne Nutzung öffentlicher Netze verbraucht wird; Strom, der in einer „Region“ produziert und verbraucht wird und Strom, der von einer Region in die andere transportiert wird. Durch die Gestaltung von Steuern und Abgaben müsste die Politik dafür sorgen, dass lokaler und regionaler Verbrauch günstiger ist. Abgeschafft werden soll das für den Endverbraucher teurere Redispatch-Verfahren, dem durch Hoch- oder Runterfahren von Kraftwerken zur Vermeidung von Über- oder Unterlast in den Übertragungsnetzen. Bei diesem Redispatch werden in Gebieten mit hoher Nachfrage teure Kraftwerke hochgefahren – die Kosten tragen bisher alle Stromkunden. Durch den Verzicht auf diese Maßnahme würde es in Deutschland keinen einheitlichen Großhandelspreis für Strom mehr geben, da „zwischen den Regionen Preisunterschiede aufgrund von Netzengpässen“ auftreten können. Verteuern würde sich nach diesem Vorschlag der Strom für Eigennutzer, die bisher keine Netzgebühren zahlen. Da  das örtliche Netz zumindest für Zeiten ohne Wind oder Sonne genutzt wird, wäre eine stärkere Beteiligung an den Kosten „notwendig und sachlogisch“.

TAZ 28.02.2017